Buchbinden nach mittelalterlichen Vorgaben

 

 1. Material

 

- Buchtext

- Papierbögen

- Sperrholz in Größe der Papierbögen (etwas größer)

- Stoff-/ Lederreste (etwas größer als der Papierbögen)

- Mullstreifen in Höhe des gewünschten Buchrückens

- Nähgarn/ -zwirn

- Tinte

 

 

 

2. Werkzeug

- Schleifpapier

- (Näh-) Nadeln

- Alleskleber (wasserunlöslich)

- farbloser Nagellack

 

3.  Historisches

 

Aus den Klöstern stammt die Technik, Pergament-, später auch Papierbögen, zu Codices bzw. Büchern zu binden. Der handwerkliche Vorgang blieb über Jahrhunderte hin im Wesentlichen unverändert und bestand aus dem Vorrichten (Falzen, Ablegen in der richtigen Reihenfolge), dem eigentlichen Binden und Zurichten des Buchblocks und der Gestaltung und Anbringung des Einbands.

 

Der Lederbezug des Einbands wurde mit Einzelstempeln oder Druckplatten geprägt („Blinddruck“). Im 14./15. Jhdt. kam die Ziertechnik des Lederschnitts auf; dabei wurden ornamentale Zeichnungen mit dem Messer in das Leder eingeschnitten und die Schnittlinie mit einem stumpfen Modelliereisen erweitert. Ende des 15. Jhdt. wurde der Lederschnitt von der Handvergoldung abgelöst, bei der man Blattgold mit erwärmten Stempeln in die Lederoberfläche einpresst.

 

4. Fertigen der Bögen

 

Ich habe die Seiten auf DIN A5 gedruckt und jeweils 4 Blätter zusammengebunden. So ergeben sich pro Bündel 16 Seiten. Zu achten ist auf die Seitennummerierung. Bei obigem Vorschlag lauten die Seitenzahlen folgendermaßen (immer 2-seitig, pro Blattseite auch 2 Buchseiten):

Blatt 1: 16-01-02-15

Blatt 2: 04-13-14-03

Blatt 3: 12-05-06-11

Blatt 4: 10-07-08-09

 

Folgende Bündel werden dann analog durchnummeriert.

 

 

5. Heftung der Bündel

 

Zur Heftung der Bündel werden die Blätter je mittig gefaltet und immer vier Blätter zusammengelegt, wie die Seiten einer Zeitung.

 

Nun wird das erste Heft in der Mitte aufgeschlagen und auf dem Falz im Abstand von ca. 2 cm - 3 cm fortlaufend Markierungen eingezeichnet. Dies sind die Heftlöcher.

 

Danach werden die Falz genau aufeinander gelegt und mittels Stecknadeln sauber durchstochen.

 

Nun wird der Faden auf der Rückseite des Falzes in das unterste Loch eingefügt und nach oben durch genäht.

 

Oben angekommen näht man wieder nach unten zurück. Unten wird der Faden stramm gezogen mit 3 Knoten zusammengebunden. Der Faden muss auf jeden Fall seine Spannung behalten. Der Faden sollte dann noch (sowohl am Anfang wie am Ende) ca. 15 cm überstehen.

 

Beim zweiten Bündel wird von oben nach unten und zurück gearbeitet, beim dritten wieder von unten nach oben etc.

 

         

So näht man alle Bündel fertig und legt sie übereinander.

 

der Blöcke

6. Zusammennähen der Buchbündel

 

Die überstehenden Fäden der Bündel werden nun im Schlingstich mit den anderen Bündeln vernäht, je ein Ende nach links, das andere nach rechts. Am Ende wird jeweils eine Doppelschlaufe genäht, um es stabil zu machen.

 

 

 

 

An den Bünden wird jeweils abwechselnd ober- und unterhalb mit Schlingenstich genäht, ebenso wird der Faden dann diagonal zum nächsten Bund geführt. So entsteht zum Schluss ein gut vernähter Buchrücken. Vor dem Abschneiden werden die Fäden mit Nagellack fixiert.

 

 

 

 

 

7. Festigung mit Mullstreifen

 

Der Mullstreifen, mit dem später der Einband am Buchblock befestigt wird, sollte mit einer dicken Schicht Kleber auf dem vernähten Rücken angebracht werden. Dabei sollte er auf jeder Seite ca. 2 cm - 3 cm überstehen. Vorsicht: Das überstehende Material darf nicht mit dem Buchseiten verkleben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8. Kanten glätten und färben

 

Um das Buch gut zum Blättern vorzubereiten, sollte man die Kanten der Buchseiten mit einem Taschenhobel glätten (siehe Bild).

 

Dies kostet jedoch Zeit und Kraft. Besser ist es, man lässt die Kanten in einem Schreibwarengeschäft glätten (gegen ein kleines Entgelt).

 

Um dem Buch ein wertvolles Aussehen zu verleihen, kann man die Kanten mit Tusche oder Tinte einfärben. Dabei träufelt man die Farbe auf ein Taschentuch. Es darf auf kleinen Fall zu nass sein, da sonst die Seiten tiefer eingefärbt werden. Mit dem Taschentuch reibt man nun über die Seitenkanten (das Buch ist nach wie vor zwischen zwei Latten vom Beschneiden eingespannt). So kann man den gewünschten Farbton sauber erzielen.

 

Oben und unten kann man nun noch ein Kapitalband anbringen. Dazu wird ein ca. 5 cm langer Streifen Stoff/ Samt o.ä. (etwas schmaler als der Blockrücken) oben und unten zusammengelegt hingeklebt. D.h. die untere Seite des Streifens wird angeklebt, der Streifen zum Rückenende hin gewendet (so dass er ca. 3 mm drübersteht) und wieder mit Kleber auf dem Anfang des Kapitalbands befestigt.

 

 

 

9. Einband

 

Nun kommen wir zum Einband des Buches. Dazu habe ich zwei Holzplatten zurechtgeschnitten, an den Rändern jeweils 0,5 cm größer als eine Seite. D.h. meine Vorder- und Rückplatte hatte je oben/ unten 5 mm zus., ebenso 1x am breiten Rand.

Das Holzstück für den Rücken hat die gleiche Breite wie dein Buchrücken.

Klebe diese Platten nun auf ein Leinentuch. Dabei ist darauf zu achten, dass der untere Rand gerade auf einer Linie liegt. Die Ränder werden eingeschlagen und angeklebt (rechtes Bild).

 

Wer Informationen möchte, wie ich das Relief auf den Buchdeckel bekommen habe, bitte kurze Nachricht.

 

 

 

 

10. Zusammensetzen des Buchblocks und des Einbands

 

Nun wird der gebundene Buchblock locker in die Mitte des aufgeschlagenen Umschlags gesetzt und der Buchdeckel und die Rückseite geschlossen. So kann man sauber die Ränder ausrichten. Danach wird der Rückdeckel des Buches aufgeklappt. Zur Fixierung des Blocks am Vorderdeckel empfehlen sich Wäscheklammern, damit nichts verrutscht. Der überstehende Mullstreifen des Buchblocks wird nun mit dem liegenden Deckel fest verklebt. Dabei muss man darauf achten, dass der Buchrücken nicht mitverklebt wird!

 

Ist der Kleber vollständig ausgetrocknet, arbeitet man analog am anderen Deckel.

 

 

 

 

 

 

 

 

11. Vorsatzpapier

 

Die erste und letzte Seite eines Buches heißt Vorsatz. Eine Hälfte des Vorsatzpapiers ist fest mit dem Buchdeckel verbunden. Falte für vorne und hinten je einen Bogen Papier und schneide ihn genau auf die Abmessungen des Buchblocks zu. Die eine Hälfte wird auf der Rückseite vollständig mit Kleber/ Leim bestrichen und so auf der Innenseite des Buchdeckels fixiert, als wäre es eine aufgeschlagene Seite.

Der Falz stößt an den Rücken des Buchblocks an. Dann wird die zweite Hälfte des Vorsatzes am Buchblock befestigt. Dazu wird ein etwa 1,5 cm breiter Streifen am Buchblock mit Leim bestrichen. Der Vorsatz wird nun aufgeschlagen fest auf diesen Leimstreifen gepresst und mit einem Tuch fest gerieben. Das Buch wird dann zum Trocknen geschlossen. Ebenso wird am zweiten Deckel vorgegangen.